Ursprung der Projektion

Für die Projektion der Frühzeit sind drei wesentliche Techniken zu beschreiben: Das Schattenspiel mit zweidimensionalen Figuren, wie wir es aus dem gesamten asiatischen Lebensraum bis heute kennen. Mit diesen Figuren werden zusammenhängende Geschichten erzählt, ja dafür Theaterstücke mit Musik geschrieben. Und so entwickeln sich alle dramaturgisch möglichen Formen, vom Märchen bis zur Satire.

Ebenfalls in China und Japan wird die optische Reflexion an einem konkaven glatt polierten Metall beschrieben. Diese magischen Spiegel lassen sich bis in das 5. vorchristliche Jahrhundert zurückverfolgen. Aber auch in Europa gibt es Hinweise über ähnliche Spiegel. Ptolemaeus, der im 2. Jahrhundert n. Chr. lebt, beschreibt in seinen optischen Abhandlungen das Phänomen der Reflexion. Plinius beschreibt 77 n. Chr. in seiner „Naturgeschichte“ den Einsatz von Spiegeln zur Projektion in Tempeln. Auch das alte Testament erzählt von der Erscheinung einer rätselhaften Schrift auf einer Wand während Belsazars Fest in Babylon – einer Spiegelprojektion. Spiegeleffekte werden immer wieder zur Darstellung von Geistern und anderen schrecklichen Erscheinungen genutzt. Die Handwerkszeuge für diese optischen Phänomene werden von diesen Magiern streng geheim gehalten

Die Camera Obscura ist die dritte Wurzel der Projektion. Das Wort bedeutet „dunkle Kammer“ und im 4. Jahrhundert v. Chr. beschreibt Aristoteles in seinen Problematae Physicae die Erzeugung eines auf dem Kopf stehenden Bildes, wenn das Licht durch ein kleines Loch in eine dunkle Kammer fällt. Erste Versuche mit dieser Lochkamera finden sich bei dem arabischen Gelehrten Ibn Al Haitham um die erste Jahrtausendwende nach Christus. Astronomen benützen die Camera Obscura zur Betrachtung der Sonnenflecken, so Roger Bacon. Leonardo da Vinci erkennt durch seine exakten anatomischen Studien die Analogie dieses optischen Phänomens am menschlichen Auge.

Entwicklung

Der Engländer Harry Langdon Childe ist höchstwahrscheinlich der Erfinder der „Dissolving Views“ und des Chromatrops. Dabei werden mit einem Kurbelantrieb Bildteile zueinander – ähnlich eines Kaleidoskops – bewegt. Das Zauberwort „Bewegung“ spornt die Laternisten an, immer spektakulärere Effekte zu präsentieren. Das Chromatrop mit seinen bunten Farben ist ein optisches, illusionistisches Kurbelbild, das oft als Auftakt und Schlusspunkt von Präsentationen eingesetzt wird.

Die Erfindung der Fotografie

Die Erfindung der Fotografie revolutioniert die Bilderwelt der Laterna Magica. Doch wo sind die prächtigen Farben und die scharfen Konturen der gemalten Miniaturen geblieben? Die neuen Bilder sind unscharf und in Schwarz/Weiss. Aber – und das ist die Revolution - sie sind ein Abbild der Wirklichkeit, ein eingefangener Augenblick des Lebens. Um Farbe in die Bilder zu bringen, werden diese koloriert. Der Siegeszug des fotografischen Bildes ist nicht mehr aufzuhalten. Mit Kulissen und Schauspielern entstehen aufwendige Bildgeschichten, die zu Bildserien für die Präsentation zusammengestellt werden.

Man nennt diese Bilder „Life Model Slides“. Die Themen sind oft Katastrophen, wie Zugunglücke oder der Untergang der Titanic, aber auch soziale Probleme, wie zum Beispiel eine Serie über die Folgen des Alkoholkonsums. Es ist in weiterer Folge, aber nur eine Frage der Zeit, dass in diesen Studios mit den gleichen Kulissen
die ersten Filme gedreht werden.

Moralisierende Bildgeschichten werden von kirchlichen Organisationen, der Heilsarmee, den Suffragetten und vielen anderen
Institutionen eingesetzt. “The Last Shilling“ der vom Familienvater für Schnaps ausgegeben wird und die Familie zu Hause hungert, ist ein Beispiel des Versuches, gesellschaftlich-soziale Probleme mit der „Macht der Bilder“ vorzuführen und diese zu verbessern.

Die Laternen des 19. Jahrhundert

Die Laternen des ausgehenden 19. Jahrhunderts sind hochtechnisierte Maschinen, geeignet für brilliante Großprojektion. Die triunialen Laternen mit ihren Messingobjektiven und Mahagonigehäuse sind das Arbeitsgerät hochprofessioneller Präsentatoren. Es gibt davon japanische und russische wie amerikanische Fabrikate. Kleinere Versionen sind in den Wohnzimmern gutgestellter Bürgerfamilien zu finden.

Das Skioptikon

Die optischen Systeme werden laufend verbessert. Das Skioptikon des Amerikaners Marcy ist eine revolutionäre Weiterentwicklung der Laterne. Marcy führt den Doppelkondensor aus zwei plankonvexen Linsen ein. Er erreicht hiermit eine Ausleuchtung, die auch quadratische Bilder ermöglicht. Weiters verbessert er das Objektiv mit chromatischen Linsen. Damit wird die Abbildung von feinen Strukturen wie Linien entscheidend verbessert. Das Skioptikon ermöglicht somit erstmals die perfekte Projektion von fotografisch aufgenommenen Bildern. Es ist wahrscheinlich die Geburtsstunde des Diaprojektors, irgendwo in Philadelphia 1872, und die alte magische Laterne wird nun zur optischen Laterne.

Die Laterna Magica als Kinderspielzeug

Die Laterna Magica als Kinderspielzeug. Unter den Christbäumen dieser Zeit finden sich Miniaturausgaben der großen Laternen, meist mit Petroleumbrennern als Lichtquelle bestückt. In Frankreich erfindet Auguste Lapierre 1860 eine Technik Metallblech zu prägen. Diese wunderschön verzierten Projektionsgeräte sind allseits gefragt.

Um 1870 ist die Stadt Nürnberg der Mittelpunkt deutscher Spielzeugherstellung. Neben der Dampfmaschine ist die Kinderlaterna ein beliebtes Spielzeug. Die Nürnberger Laternenhersteller nützen für die Massenherstellung ihrer Bilder die Technik der Chromolithografie. Dabei werden durchsichtige Abziehbilder auf Glasplatten geklebt. Das Nürnberger Spielzeug, wie die Laternen der Gebrüder Bing, erlangen weltweit Ruhm und Verbreitung.

Fotografie

Mit der Erfindung der Fotografie und der Reproduktionstechnik, ist natürlich auch der Einsatz der Laterna Magica, jetzt des Skioptikons, in der Wissenschaft und den Universitäten zu erwarten. Aber gerade hier dauert es, bis der Projektor seinen Platz im Hörsaal bekommt. Anfänglich werden die Projektionen massiv abgelehnt. 1893 wird an der Berliner Universität ein Vortragender, der zwei Projektoren mit Überblendung in seiner Vorlesung einsetzt, massiv abgelehnt. „Die Professoren waren außer sich, empört. Man hielt das für baren Dilettantismus, für eine Profanation der geheiligten Räume.

Theatervorstellungen mit einer Laterna Magica!“ An der Schwelle zum 20. Jhdt. ist es der Laterna Magica noch immer nicht ganz gelungen, ihren Ruf von einer Jahrmarktattraktion zu einem seriösen Medium zu wandeln. Und noch ein Ereignis wird der Laterne die Dominanz in der Bildkommunikation endgültig nehmen: im Dezember 1895 beginnen die Bilder zu laufen, die Lumiere Brüder geben ihre erste kinematografische Vorstellung. Können die statischen Bilder des Skioptikons mit den bewegten Bildern des Films in Konkurrenz treten? Ist das nun das Ende der Laterna Magica? Die technische Entwicklung der Laterne und auch der Bilder hat immer schon die Darstellung der Bewegung als Ziel. Ob in den Nebelbildern oder Chromatropen, oder den sogenannten Life Model Slides. Bewegte Bilder ähnlich dem Fingerkino gibt es bald für kleine Spielzeuglaternen. Und noch eine Veränderung erfasst die Projektionstechnik: Die Edisonlampe ist das neue Leuchtmittel der Projektoren.

Laterna Magica

Das 19. Jahrhundert ist die Zeitepoche der industriellen Revolution. Technische Innovationen beginnen das tägliche Leben der Menschen langsam zu verändern. In keiner anderen Periode der Menschheitsgeschichte werden eine so große Anzahl „weißer Flecken“ des Globus durch Expeditionen erforscht und kartografiert. Gesellschaftlich gesehen ist es die Zeit des aufstrebenden Bürgertums und den damit verbundenen kulturellen Entwicklungen. Bildung und Information werden zu einer tragenden kulturellen Säule.

 

Alexander von Humboldt`s Ausspruch: „Erfreuen und Belehren!“ kann als Leitmotiv gesehen werden. Und es ist die Laterna Magica, die nun zum dominierenden visuellen Kommunikationsgerät wird. Einerseits als Vermittler aller neu enträtselter Geheimnisse der Erde und vergangener Kulturen und andererseits als anspruchsvolles Unterhaltungsmedium. Oftmals ist die richtige Mischung aus Information und Unterhaltung die Lösung ein Publikum zu faszinieren. Physikalische und chemische Experimente werden in Abendveranstaltungen, sogenannten „Physique amusente“, mit der Laterne präsentiert. Reiseberichte, Abenteuer und Berichte aus Ägypten, dem fernen Asien und auch astronomische Themen gehören zum Repertoir der Laternisten. In England werden sie „The professors“ genannt. So wird natürlich auch die Laterna Magica weiterentwickelt und auch schon industriell gefertigt. Das optische System wird verbessert und vor allem die neuen Beleuchtungssysteme erlauben das Projizieren auf große Leinwände, wie sie zum Beispiel in Londons „Royal Polytechnic“ oder in den Theatern Europas aufgebaut waren. Die Beleuchtung der alten Laternen ist das Öllicht mit seinem gelblichen Farbspektrum. 1826 wird vom Engländer Sir Thomas Drummond der Hydroxyoxygenbrenner vorgestellt.

Dieses Drummond’sche Licht, oder auch Kalklicht, im Englischen „Limelight“ genannt, basiert auf einer Knallgasflamme, die auf einen Kalkstein gerichtet ist. Durch die hohe Temperatur wird der Kalkstein zum Leuchten gebracht und gibt ein hellweißes Licht.

Es sind nicht nur die technischen Entwicklungen, die die Laterna Magica berühmt machen. Es sind die Präsentatoren, Laternisten, Geschichtenerzähler. Der Österreicher Ludwig Leopold Döbler (1801-1864) ist einer von ihnen. Döbler studiert Physik, betätigt sich aber als Magier und Laterna-Magica-Projektionist in ganz Europa. Er ist der vornehmste Zauberkünstler seiner Zeit und verkehrt in höchsten Kreisen. Seine Kunststücke haben Goethe, Metternich, Kaiser Franz I., den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. und Königin Victoria begeistert.